Frauen am Ball

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Fußball - das wär doch mal was...

1968 setzen sich couragierte Frauen für einen guten Zweck über das Frauen-Fußball-Verbot hinweg

Fußballweisheiten von Sepp Herberger, der die deutsche Fußballnationalmannschaft 1954 zum ersten WM-Titel führte, haben auch nach 50 Jahren noch ihre Gültigkeit! Sein Spruch: "Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten" ist weltweit bekannt. Weniger bekannt dagegen dürfte Herbergers damalige Einschätzung zur Entwicklung des deutschen Frauenfußballs sein: "Fußball ist keine Sportart, die für Frauen geeignet ist, eben schon deshalb, weil er ein Kampfsport ist." Dabei war es gerade der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954, der in Deutschland eine große Begeisterung für den Fußballsport auch bei den Frauen hervor rief. War das etwa der Grund dafür, dass der Deutsche Fußballbund DFB noch 1955 das "Fußballspielen mit Damenmannschaften" offiziell verbot mit der Begründung: Körper und Seele würden Schaden nehmen?

Doch das Verbot zeigte nicht die vom DFB gewünschte Wirkung, denn man konnte nicht einfach etwas von oben herab verbieten, was sich unten längst Bahn gebrochen hatte, denn immer mehr Frauen ließen sich von der Fußballbegeisterung anstecken. Fast scheint es so, als ob die ablehnende Haltung des DFB die Frauen geradezu zum Widerstand ermunterte, ja es gab sogar Frauen, die sich das Spielverbot zu nutze machten, um in besonderer Weise öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen.

Bei einem Treff en im Oktober 1968 dachten die Gymnastikfrauen aus Affalterbach und die Turnerinnen aus dem benachbarten Weiler zum Stein (Württemberg) darüber nach, wie sie notwendiges Geld für die Renovierung des Kindergartens und des Kirchturms zusammenbringen könnten. "Fußball wär doch was", sagte Elfriede Entenmann. "Das zieht auf jeden Fall mehr Menschen an als Turnen". Diese Idee griff um sich wie ein Lauffeuer und die Frauen ließen sich weder von ihren Männern aufhalten, die ihren Frauen kaum zutrauten, den Ball zu treffen, noch von all den anderen Entsetzten und Empörten in ihrer Gemeinde. Schließlich über redeten die Fußballfrauen einen der Ehemänner, die Mannschaft wöchentlich zu trainieren. Nach einem halben Jahr kam es zum ersten Spiel der Affalterbacher Frauen gegen die Frauen aus Weiler zum Stein. Der damalige evangelische Pfarrer Sieghart Gräf fungierte als Schiedsrichter, seine Frau ging durch die Zuschauerreihen und sammelte Geld für die Renovierung. Es war ein voller Erfolg, denn das "verbotene Spiel" zog viel mehr Zuschauer an, als die gewöhnlichen Fußballspiele der Männer.

Kurze Zeit später (1970) hob der DFB tatsächlich sein grundsätzliches Verbot gegen Frauenfußball auf, aber auch weiterhin wurden die Frauen in den Reihen des Dachverbandes des deutschen Fußball eher "kurz gehalten". Von echter Emanzipation - (noch) keine Spur!

Der Anteil von Frauen und Mädchen im Fußballsport ist bis heute ständig gewachsen. Besonders in den letzten Jahren ist die Anzahl von Mädchen und Frauen in Fußballvereinen rasant gestiegen. Und wieder war es der Gewinn einer Weltmeisterschaft, der diese Begeisterung auslöste. Doch längst sind nicht mehr Männer die Vorbilder, sondern es sind Steffi, Birgit, Fatmire und Co., die unter ihrer Trainerin Silvia bereits 2003 und erneut 2007 bis an die Weltspitze stürmten und noch vor ihren männlichen Kollegen Botschafterinnen für ein kulturell vielfältiges Deutschland und für gelingende Integration waren.

Oft sind es eben Frauen, die erste Schritte der Integration gehen - aufeinander zu, über Grenzen jeder Art hinweg. Fußball kann dafür ein wertvolles Mittel sein, denn Fußball ist weiter hin diejenige Sportart, die die unterschiedlichsten Menschen in unserem Land anspricht, miteinander in Bewegung und Beziehung bringen kann und dabei Spaß macht und Anerkennung schenkt. Wen wundert´s deshalb, wenn heute immer mehr Frauen aus Kirche, Sport und Gesellschaft ihre Köpfe zusammenstecken und sagen: "Fußball - das wär doch mal was".


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 16. Januar 2019 16:29