Frauen am Ball

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"Wir werden alles daran setzen, die Weltmeisterschaft zu gewinnen."

Interview mit Kerstin Garefrekes

Sie haben im Alter von sieben Jahren begonnen, Fußball zu spielen. Warum ausgerechnet Fußball?
Ich komme aus einem kleinen Dorf, da gab es kein besonders breites Sportangebot. Eines Tages hat mich ein Klassenkamerad angesprochen und gefragt, ob ich mit ihm ins Fußball-Training kommen möchte. Das habe ich gemacht, habe es ausprobiert und es hat mir gefallen. So bin ich zum Fußball gekommen und glücklicherweise auch dabei geblieben.
Im Hauptberuf arbeiten Sie in der Stadtverwaltung Frankfurt. Wie gelingt es Ihnen, daneben noch die Zeit für das Training - oder sogar noch Hobbys - zu finden?
Da ist Zeitmanagement gefragt, um alles unter einen Hut zu bringen. Aber es erleichtert die Sache, dass ich zurzeit nur in Teilzeit bei der Stadtverwaltung arbeite. Außerdem habe ich in meinem Aufgabenbereich keinen Publikumsverkehr, kann mir meine Zeit relativ frei einteilen und auch ab und zu von zu Hause arbeiten. Mein Arbeitgeber und meine Kollegen unterstützten mich auch, wo sie können. Und gerade, wenn ich viel unterwegs bin, zu Lehrgängen oder Spielen, zeigen sie großes Verständnis und stehen voll und ganz hinter mir. So habe ich sogar noch Zeit für ein Privatleben.
Für die männlichen Spieler der Fußball-Nationalmannschaft ist es unvorstellbar, neben ihrer Fußballkarriere noch einen Vollzeitberuf auszuüben. Ärgert Sie so eine Ungerechtigkeit manchmal? Oder kann eine solche "Erdung" auch eine Chance sein, nicht abzuheben? Auch für die Zeit nach der Fußballkarriere?
Meiner Meinung nach muss da jeder seinen eigenen Weg finden und für sich schauen, was ihm wichtig ist. Wenn ich nur Fußball spielen würde, wäre das wohl auf Dauer für mich eher unbefriedigend. Deswegen möchte ich wenigstens, so wie es gerade der Fall ist, Teilzeit arbeiten. Ich finde es einfach wichtig, einmal nicht an Fußball zu denken und sich anderweitig zu fordern in einem anderen Beruf.
Bleibt bei einem so aktiven Leben neben Beruf, Fußball und Hobbys noch Zeit für die eigene Seele?
Mir ist es sehr wichtig, Ruhephasen zu haben. Deswegen achte ich darauf, dass ich mir und meinem Körper auch die entsprechende Entspannung gönne.
Sie waren früher in der Verwaltung auch für Obdachlose zuständig. Dabei waren Sie auch als Seelsorgerin gefragt - inwiefern?
Ich war damals dafür zuständig, zu überprüfen, ob ein Anspruch auf Sozialhilfe bestand oder nicht und musste nach rein rechtlichen Ansprüchen entscheiden. Trotzdem muss man ja immer bedenken, dass gerade ein Mensch vor einem sitzt und natürlich steckt hinter jedem Fall auch immer ein persönliches Schicksal, da gehört es sich meiner Meinung nach auch, für diese Menschen immer ein offenes Ohr zu haben und respektvoll mit jedem umzugehen - aber nicht im Sinne einer Sozialarbeiterin. Deswegen würde ich mich rückblickend nicht als Seelsorgerin bezeichnen, das würde nicht passen.
Wie wichtig ist Ihnen Religion?
Ich bin mit dem Thema "Religion" aufgewachsen, es hat mich in vielen Lebenssituationen geprägt, was ich mir auch bewahren möchte. Aber für mich ist Religion eine Privatsache, die ich ungern nach außen trage. Darum behalte ich die Einzelheiten in Bezug auf meinen Glauben für mich.
Bei der Frauen-WM geht das deutsche Team als Titelverteidiger an den Start. Erhöht das den Druck oder überwiegt die Vorfreude?
Bei einer Weltmeisterschaft im eigenen Land mitspielen zu dürfen, mit der Aussicht auf spannende Spiele und eine großartige Stimmung in den Stadien - so etwas ist ein einmaliges Erlebnis. Insofern überwiegt bei mir die Vorfreude. Was man aber immer im Hinterkopf behalten muss, ist, dass auch die anderen Länder Top-Mannschaften haben, die wir nicht unterschätzen werden. Deswegen werden wir uns bestmöglich vorbereiten und alles daran setzen, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 16. Januar 2019 16:29