Pyeongchang 2018

Olympiade und Paralympics

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Das koreanische Herz wird bleiben!

Paralympics Pyeongchang 2018 - Kirche mittendrin.

Fotos: Christian Bode

Im modernen Korea leuchtet und blinkt nahezu alles. Das große, rote leuchtende Herz habe ich bei meinem ersten Spaziergang kurz nach der Ankunft in Pyeongchang fotografiert. Herzklopfen, das hatte ich - bei der Vorbereitung, kurz vor dem Abflug in Frankfurt, bei der Ankunft in einem mir bisher unbekannten Land, bei der ersten persönlichen Begegnung mit Pater Yonghae Kim, meinem katholischen Kollegen aus Seoul, bei der Eröffnungsfeier, vor Beginn der Wettkämpfe, nach Siegen oder Niederlagen. So erging es vielen aus der paralympischen Familie, Athleten und Betreuern, der Mannschaftsleitung und den Medienvertretern, den Fans und der Bundespolizei, den Mitarbeitern im Alpenhaus. Es war eine spannende, intensive Zeit mit meiner Gemeinde auf Zeit in Südkorea.

Die An- und Abreise zusammen mit der Mannschaft und die Unterbringung zusammen mit den Pressemitarbeitern des Deutschen Behindertensportverbandes erwies sich einmal mehr als Garant für eine gute seelsorgerliche Begleitung. Von Anfang an dabei, dass bedeutet die Anspannung und den Druck im Vorfeld zu teilen und von den Erwartungen und eigenen Träumen zu hören. Einige haben sich erfüllt, Träume von der ersehnten Medaille sind wahr geworden. Andere scheiterten an einer Bodenwelle oder an dem einen nicht gut genug platzierten Stein. Einmal mehr hat sich bei Ski Alpin, Biathlon- und Langlaufwettbewerben und vielleicht besonders beim Curling gezeigt, wie sehr beim sportlichen Wettkampf Sieg und Niederlage bei einander liegen. Und bei der gemeinsamen Rückreise ein guter Zuhörer zu sein, das heißt, die Erfahrungen und Erlebnisse verarbeiten zu helfen, Wegbegleiter zurück in den Alltag zu sein. Einfach da sein für das, was auf dem Herzen liegt, was es freut oder belastet, das beschreibt die wesentliche Aufgabe des Seelsorgers vor Ort bei den Paralympics.

Die ökumenische Zusammenarbeit trotz einem gewissen Unbehagen im Vorfeld verlief erfreulich, mit meinem deutschen katholischen und auch in guter Tradition mit dem österreichischen Teamseelsorger. Zwei Gottesdienste mit guter Resonanz im Alpenhaus haben wir gemeinsam gefeiert, eine Messe im religiösen Zentrum im paralympischen Dorf. Sie halfen schon vor Ort zu verarbeiten und das Herz ein wenig freier zu machen. Die örtliche katholische Gemeinde zeigte sich sehr gastfreundlich. Es war dem Kollegen vor Ort ein großes Anliegen, uns über den Sport hinaus bei einem gemeinsamen Ausflug ins Grenzgebiet die Geschichte des geteilten Landes näher zu bringen. Höchst erfreulich war der Kontakt mit der neuen EKD-Auslandspfarrerin aus Seoul, Pfarrerin Mi-Hwa Kong, wenngleich beidseitig sicher wünschenswert gewesen wäre, schon im Vorfeld Kontakt zueinander gehabt zu haben.

Der tägliche geistliche Impuls per WhatsApp mit passendem Bild erfreute sich großer Beliebtheit. Ob Sportler, Techniker oder Pressevertreter, immer wieder gab es Rückmeldungen. Der Bibelvers zog seine Kreise und erfreute auch in der Heimat die eingerichtete "Mittendrin"-Gruppe. Die MITTENDRIN-Broschüre im neuen Layout habe ich reichlich verteilt, so dass am Ende keine Exemplare mehr vorhanden waren. Rückmeldungen zum neuen Layout wie auch einzelnen Texten gab es jedoch wenig.

Der evangelische Pressedienst, der Kirchenfunk aus Hannover und auch das Domradio Köln und die katholische Nachrichtenagentur berichteten ausführlich über die Tätigkeit von uns Seelsorgern vor Ort. Besonders war ein ausführliches Interview mit zwei Nachwuchsjournalistinnen der Paralympics-Zeitung, eine Aktion des Tagesspiegels Berlin. Zugesagt ist bereits die Vorstellung dieses besonderen Projektes im Rahmen der Vertreterversammlung im November in Berlin.

Alle waren bei diesen Paralympics in Südkorea mit ganz viel Herz dabei! Aus sportlicher Sicht kehrt die deutsche Mannschaft mit einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis zurück. Überzeugt und erfreut haben mich der Teamgeist und die positive Gesamtstimmung. Und es sind die kleinen Geschichten am Rande, die auch diese Paralympics weit über den Sport hinaus zu einem Fest der Völker, zu einer Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gemacht haben. Da folgt die nordkoreanische Delegation einer Einladung des deutschen Präsidenten ins Alpenhaus, da werden auf der Olympic Plaza Pins getauscht, auch wenn man sich nur mit Händen und Füßen verständigt, da reist ein Deutscher im Rollstuhl als Volunteer bereits zum dritten Mal zu den Paralympics. Und die Hoffnung und Sehnsucht nach Frieden, die ist spürbar und wird in Gesprächen deutlich.

Zu danken ist von meiner Seite vor allem dem Deutschen Behindertensport-Verband, der einmal mehr für gute Rahmenbedingungen für die Begleitung der deutschen Mannschaft stellte. Das Engagement von Kirche wird immer wieder gewürdigt und auch seitens des Verbandes als ein Baustein zum Gelingen des Gesamtprojektes Paralympics angesehen.

Kritisch bleibt anzumerken, dass sich auch in Südkorea die Fragen der Nachhaltigkeit der Spiele und vor allem der Umgang mit der Natur zentral bleiben. Meiner Meinung braucht es weder ein Stadion für über 60 Millionen Euro, das lediglich für zwei Eröffnungs- und Schlussfeiern genutzt und anschließend wieder abgebaut wird, noch braucht es den Raubbau an der Natur, um für lediglich fünf Wettbewerbe eine Skipiste zu errichten, die im Anschluss wieder komplett renaturiert werden soll. Ich wünsche mir persönlich diesbezüglich mehr Umsicht, Bescheidenheit und auch Verantwortungsgefühl.

"Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist." Das ist das kurze Gebet aus Psalm 51, das ich in der Predigt der paralympischen Familie beim zweiten Gottesdienst mit auf den Heimweg gegeben habe. Eine Bitte für eine Zeit, in der es darum gehen wird, alle Eindrücke und Erfahrungen dieser Paralympics zu verarbeiten. Da wird es für jeden einzelnen, der Teil dieser Winterspiele war, darum gehen auf sein eigenes Herz zu schauen, Zurückliegendes zu verarbeiten, Neues zu beginnen.

Und dazu nehme ich ein neues Zeichen mit nach Hause: Das "koreanische" Herz, geformt aus Daumen und Zeigefinger, an dem niemand vorbeigekommen ist. Eine kleine Geste, die verbindet und in Erinnerung bleiben wird.

Die Paralympics 2018 waren bewegend und die evangelische Kirche war mittendrin. Durch die Begleitung dieser Großveranstaltung sind und bleiben wir ganz nahe den Menschen. So hoffe ich darauf, dass unser deutsches Paralympicsteam mit ganz viel Herz auch im Jahr 2020 gut begleitet wird.


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:35