Pyeongchang 2018

Olympiade und Paralympics

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"Wir sind immer auf Standby"

Pastor Bode zur Sportseelsorge bei den Paralympics in Südkorea

DOMRADIO.DE: Die Paralympics laufen seit fast einer Woche. Welchen Eindruck haben Sie bisher von den Spielen?

Pastor Christian Bode (evangelischer Pastor und Seelsorger bei den Paralympics): Es sind sehr gut organisierte Spiele. Sowohl die Mannschaft als auch die Fans sind sehr zufrieden. Die Bedingungen sind gerade in den ersten Tagen ideal gewesen. Das Wetter war hervorragend winterlich. Momentan kippt es ein wenig, es ist sehr warm. Die gezeigten Leistungen der Athleten sprechen für sich: mit viermal Gold, viermal Silber, einmal Bronze ist das deutsche Team sehr gut im Rennen.

DOMRADIO.DE: Welche Aufgaben haben Sie konkret vor Ort?

Bode: Wir sind für die Mannschaft da. Wir begleiten sie seit der Anreise und haben ein offenes Ohr für Anliegen jeglicher Art. Wir feiern Gottesdienste, wir fiebern und wir feiern mit und das Wichtigste: Wir sind immer auf Standby und für jeden aus der Mannschaft telefonisch zu erreichen.

DOMRADIO.DE: Mit welchen Anliegen kommen denn die Athleten zu Ihnen?

Bode: Da geht es primär um den Druck, der auf jedem Einzelnen lastet, der sich jetzt vier und mehr Jahre auf den absoluten Höhepunkt seiner Karriere vorbereitet hat. Wie gehe ich damit um? Wie kann ich mich freimachen? Wie kann ich auf den Punkt Bestleistungen bringen? Da geht es jetzt nach den ersten Tagen um den Rückblick: Wie war der Wettkampf? Haben sich meine Hoffnungen erfüllt oder sind Träume geplatzt? Da braucht es dann ein offenes Ohr. Es geht manchmal auch um ganz weltliche Themen. Ich habe mit einem Sportler sehr intensiv über seine Hochzeit im nächsten Monat gesprochen: über die Trauung und die damit verbundene Taufe seiner Tochter. Manchmal sind es aber auch nur die kurzen Gespräche über Gott und die Welt.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn die allgemeine Lebenssituation für Menschen mit Behinderung in Südkorea?

Bode: Das ist eine sehr spannende Frage. Mein katholischer Kollege - Jesuitenpater Yonghae Kim - berichtet, dass die Spiele Veränderungen für Menschen mit Behinderung in Südkorea gebracht haben. Hier nimmt man erstmalig den Sport von Menschen mit ihren Begrenzungen in besonderer Weise wahr und das hat Einfluss auf das gesellschaftliche Leben, sagt er.

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielt denn Doping bei den Paralympics in Südkorea?

Bode: Leider begleitet das Thema Doping auch den Behindertensport. 2016 ist das russische Team in Rio von den Paralympics ausgeschlossen worden. In diesem Jahr wird es hier auch diskutiert - nicht zuletzt, weil eine russische Athletin kurzfristig die Starterlaubnis erhalten hat. Es ist Gott sei Dank ein Randthema, aber es spielt natürlich in den Hinterköpfen eine Rolle. Ich persönlich denke, Doping muss aufs Allerschärfste bekämpft werden, denn es geht um die Glaubwürdigkeit des Sports. Und faire, saubere Wettkämpfe wünsche ich jedem einzelnen Athleten und auch uns Zuschauern.

DOMRADIO.DE: Inwiefern ist die besondere Lage des geteilten Landes spürbar bei den Paralympics?

Bode: Hier bei den Paralympics starten Sportlerinnen und Sportler aus Nord- und aus Südkorea. Ich nehme wahr, dass am Rande sehr viel diskutiert wird. Die Grenzregion ungefähr zwei Stunden von hier entfernt, hat geöffnet. Dahin fährt man gerne Zuschauer, Besucher, Teilnehmer. Man stellt sich diesem Thema. Ich spüre eine tiefe Sehnsucht nach Frieden. Ich spüre eine Hoffnung, dass vielleicht auch Olympia und die Paralympics ein Signal in Richtung des Zusammenwachsens dieses geteilten Landes geht.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

Ein Interview von DOMRADIO mit Christian Bode.
https://www.domradio.de/themen/sport-und-kirche/2018-03-15/pastor-bode-zur-sportseelsorge-bei-den-paralympics-suedkorea


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:35