Pyeongchang 2018

Olympiade und Paralympics

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Sehnsucht und Hoffnung auf Frieden

Ökumenische Begegnungen bei den Paralympics in Pyeongchang

Der Sport führt Menschen zusammen. Die Paralympics in Südkorea führen Menschen unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Religionen zusammen. Ein reger Austausch der Teilnehmer aus 49 Nationen findet nicht nur an den Wettkampfstätten statt. Alle wohnen im paralympischen Dorf zusammen. Sportler, Betreuer und Funktionäre begegnen sich auf den Fußwegen vor den Wohneinheiten, tauschen Pins und essen gemeinsam in der riesigen Mensa in der Dorfmitte, die rund um die Uhr geöffnet ist. Friedhelm-Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, lebt vorbildlich diese Form der Völkerverständigung im Rahmen dieser sportlichen Großveranstaltung. In Sotschi lud er spontan die Delegation aus der Ukraine ins Deutsche Haus Paralympics ein, hier in Pyeongchang waren die Nordkoreaner bei der Eröffnung des Alpenhauses am Samstagabend dabei. Das sind Friedensbotschaften, die unsere Welt braucht und die weit über den Sport hinaus weisen.

Mittendrin bin ich als evangelischer Seelsorger seit nunmehr einer Woche. Die Mannschaft begleite ich seit der Anreise. Die ersten Medaillen haben wir gefeiert, geteilt haben wir den Frust über das eigene Ausscheiden oder den undankbaren vierten Platz. Bei herrlichen, winterlichen Bedingungen für die Winterspiele der Menschen mit Behinderung ist die Stimmung in der paralympischen Gemeinde auf Zeit hervorragend. Lediglich die Fans beklagen sich über zum Teil schlechte Ausschilderung und logistische Schwierigkeiten bei der An- und Abreise zu den Wettkampfstätten.

Ich bin nicht allein als Seelsorger unterwegs. Die katholische Kirche wird vertreten durch Jesuitenpater Yonghae Kim, der in Seoul lebt und tätig ist. Yonghae Kim hat in Deutschland studiert und hat dadurch eine Verbundenheit nach Deutschland. Im Vorfeld der Paralympics hatten wir lediglich Kontakt per Email. Vor Ort gibt es tägliche Begegnungen und eine gute Zusammenarbeit. Mein katholischer Kollege lebt hier zusammen mit dem katholischen Seelsorger für das österreichische Paralympicsteam, Pater Johannes Paul Chavanne, beim Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde vor Ort. Wir drei haben gestern im Alpenhaus einen ersten ökumenischen Gottesdienst mit 30 Teilnehmern gefeiert. Gemeinsam singen und beten, innehalten und ein wenig zur Ruhe zu kommen nach den ersten aufregenden Tagen, das tat uns allen gut. Für die kommende Woche ist ein weiterer gemeinsamer Gottesdienst im Alpenhaus sowie eine Abendandacht im religiösen Zentrum des paralympischen Dorfes geplant.

Bei einem gemeinsamen ökumenischen Ausflug nach der katholischen, auf koreanischen gehaltenen Messe habe ich über die Situation von Christen in Korea gelernt. Die Geschichte des Christentums in Korea reicht dabei bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die Unterschiede in dem heute geteilten Land sind groß. Während in Nordkorea die Religionsfreiheit stark eingeschränkt ist, gehören in Südkorea etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung einer christlichen Kirche an. Die katholische Kirche besteht aus drei Erzdiözesen und 13 Diözesen. Die evangelische Kirche ist geprägt von einer uns in Deutschland fremden Vielfalt protestantischer Konfessionen. Eine wesentliche Aufgabe sehen die christlichen Kirchen darin, einen diakonischen und karitativen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Sie unterhalten Krankenhäuser, Universitäten und Schulen, sie unterstützen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen.

Der ökumenische Ausflug führte uns an die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Einer streng abgeriegelten Militärzone folgt ein grüner Grenzstreichen. Yonghae Kim berichtete, wie er selbst noch im Jahr 2004 auf diesem Weg noch nach Nordkorea gereist sei. Und wir alle waren uns einig, dass die jüngsten Annäherungen beider Länder hoffentlich nicht nur ein Zeichen für die Welt zu Olympia und Paralympics sind. "Der paralympische Sport verändert nicht nur Leben, er verändert die Welt", sagte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Andrew Parsons, im Rahmen der Eröffnungsfeier. Wir Seelsorger schließen uns an, denn die Sehnsucht und Hoffnung auf Frieden in Korea und der ganzen Welt ist groß.


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:35