Pyeongchang 2018

Olympiade und Paralympics

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Gespräche über Gott und die Welt

Sportpfarrer Thomas Weber in Pyeongchang

"Was? Das haben wir gar nicht gewusst, dass auch zwei Pfarrer die Mannschaft begleiten." Viele sind erstaunt, wenn wir uns als Seelsorger vorstellen. Pfarrer am Rande des olympischen Großereignisses anzutreffen, scheint etwas Außergewöhnliches zu sein. Und unsere Begegnungen sind tatsächlich vielfältig. Zum deutschen Olympiateam gehören ja im weiteren Sinn nicht nur die 400 Sportlerinnen und Sportler, Trainer, Betreuer, Ärzte, Physiotherapeuten und Offiziellen, sondern eigentlich auch die mitgereisten Familienangehörigen, die Fans (allerdings sind es in Südkorea nicht sehr viele) und Journalisten. Dabei sind wir nicht nur Ansprechpartner im Hintergrund, sondern hören auch aus erster Hand, welche Bedeutung christlicher Glaube und Kirche im Leben der Menschen spielen oder auch nicht. Durch uns bekommen die Kirchen hier vor Ort ein Gesicht.

"Ich bin auch evangelisch," so antwortet mir beispielsweise spontan eine junge Sportlerin am Abend im Deutschen Haus. Und dann erzählt sie mir von ihrer Zeit im Konfirmandenunterricht und betont, dass es der Pfarrer und die Religionslehrerin gut hinbekommen hätten, sie zu konfirmieren, obwohl sie natürlich oft unterwegs gewesen sei und so manches Mal gefehlt habe. Ich freue mich über die Worte der jungen Frau. Sie hat die Zeit im Konfi in guter Erinnerung behalten.

Bei dem bekannten Sportler, der mit uns am Tisch sitzt und unserem Gespräch zuhört, ist es leider damals anders gelaufen. Sein Pfarrer habe ihn auf Grund der häufigen Abwesenheit am Dienstagnachmittag und am Wochenende nicht konfirmiert. Schade! Später habe es der Pfarrer noch mal angeboten, die Konfirmation nachzuholen, aber da habe er dann nicht mehr gewollt.

Das Thema "Leistungssport und Konfi" ist spannend. Bei den Universiaden, den Weltspielen der Studierenden, und den Olympischen Spielen, habe ich in den letzten Jahren deutlich herausgehört, wie schwierig es für talentierte Nachwuchsleistungssportler ist, einen Konfikurs mit Training und Wettkämpfe in jungen Jahren  unter einen Hut zu bringen. Ich denke dabei schmunzelnd an eine Athletin, die mir einmal von ihren sieben (!) Gottesdienstbesuchen an Heiligabend und Weihnachten wenige Monate vor der Konfirmation berichtete, so dass ihr Pfarrer sie daraufhin doch konfirmiert habe. Ein Anderer erzählte mir lachend, dass er so manchen Taufgottesdienst samstags in der Gemeinde besucht habe (denn am Sonntag hätten immer die Wettkämpfe angestanden) und sich manche Gemeindeglieder schon gefragt hätten, wer denn der auffällige Jugendliche sei, der immer alleine in der letzten Reihe sitze, obwohl er nicht zur Tauffamilie gehöre.

Diese Beispiele machen deutlich, wie wichtig es für uns als Gemeinden ist, die Lebenswirklichkeit der Menschen zu kennen, um ihnen gute Begleiter auf ihren Lebenswegen zu sein. Dafür ist der Leistungssport nur ein Beispiel!

Sportpfarrer Thomas Weber


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:35