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"Die Blicke richten sich auf die Ukraine"

Ein Kommentar von Prälat Dr. Bernhard Felmberg zur Fußball-Europameisterschaft 2012

Fußball-Europameisterschaft 2012: Die Scheinwerfer gehen an, und alle Blicke richten sich auf die Ukraine. Auf das, was in den Stadien geschieht, aber glücklicherweise auch auf das, was sonst noch passiert im Land. Die EM in diesem Jahr hat schon vor ihrem Beginn dazu beigetragen, dass inzwischen vermutlich jeder sportinteressierte Europäer nicht nur den Kader der jeweiligen Heimatmannschaft kennt sondern auch darüber informiert ist, wie es um die hoch problematische menschenrechtliche Situation im Austragungsland bestellt ist.
Die ukrainische Bevölkerung, aber auch Migranten und Flüchtlinge in der Ukraine leiden unter mangelnden oder fehlenden Rechtsschutzmöglichkeiten und fehlender Rechtssicherheit. Inhaftierte klagen über eklatante Haftbedingungen und Misshandlungen bis hin zu Folter. Diese Zustände sind unerträglich. Auch die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und ihre Parteifreunde müssen einen fairen, rechtsstaatlichen Prozess erhalten.

Daher war und ist es gut, dass auch von deutschen Politikern zur EM klare Signale an die politisch Verantwortlichen in der Ukraine gesendet wurden. Wir dürfen keine Gelegenheit versäumen, deutlich zu machen, dass Deutschland es nicht toleriert, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Allerdings ist es nicht sinnvoll, die in der Ukraine stattfindenden Fußballspiele an sich in Frage zu stellen, denn wir sehen: Mit ihnen fällt der Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und der medialen Berichterstattung auch auf die im Land herrschenden Missstände. Dies muss auch während der Spiele unbedingt so bleiben.

So unverzichtbar der kritische Blick auf die Ukraine ist - eines dürfen wir nicht gänzlich außer Acht lassen: Die EM findet auch in Polen statt. Für unsere direkten Nachbarn im Osten ist die Europameisterschaft das erste Großereignis, das sie seit ihrem Beitritt in die EU im Jahr 2004 ausrichten. Polen meistert diese Herausforderung bisher geräuschlos, professionell und mit großem Engagement. Auch auf dieses Land sollten wir schauen, mit Anerkennung und Respekt, in gemeinsamer Vorfreude auf die beginnenden Spiele. Gerade in Berlin und Brandenburg sind wir nur einen "Katzensprung" entfernt von der Möglichkeit, die EM gemeinsam mit unseren Nachbarn zu erleben. Ob in Görlitz oder Frankfurt/Oder - ich hoffe, dass möglichst viele deutsch-polnische Public Viewings zustande kommen.

Gemeinsam mit Nachbarn und Freunden fußballfiebern - das macht natürlich auch die evangelische Kirche wieder möglich. Seit 2006 stellen viele Gemeinden bei Fußballgroßereignissen eine Leinwand zum Public Viewing auf, 1230 Gemeinden machen in diesem Jahr mit. Ich hoffe, dass dadurch viele interessante Begegnungen zustande kommen, und ich hoffe, dass sich alle - Spieler und Fans in ganz Europa - in den kommenden Wochen von der gemeinsamen Freude an den Fußballspielen begeistern lassen. Gewaltlos und in einem fröhlichen Geist - so, wie es dem völkerverbindenden Grundgedanken entspricht. Und damit Fußball trotz allem die schönste Nebensache der Welt bleibt.

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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:35