zurück

Die Kirche und der Fußballgott

EKHN-Präsident Volker Jung sprach im Eintracht-Museum über Sport und Medien

Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau zu Gast im Eintracht-Museum: Der sportbegeisterte Kirchenchef sprach über seine Liebe zur Eintracht und die Macht der Medien.

Sachsenhausen. Seit Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, denken kann, ist er der Frankfurter Eintracht "aus tiefstem Herzen" verbunden: "Mit acht Jahren bekam ich mein erstes Eintracht-Trikot und habe es voller Stolz getragen", sagte Jung zu Beginn seiner von der Kirche in der Arena und dem Eintracht-Museum veranstalteten Gesprächsrunde.

Jung kickte selbst bis zu seinem 28.Lebensjahr im Fußballverein und hielt sich als Leichtathlet in Form. Die 100 Meter legte er in 11,5 Sekunden zurück."Auch wenn es immer schwerer wird, versuche ich,mich jedes Jahr für einen Marathon anzumelden", sagte Jung, der sein Amt als regionaler Kirchenchef 2009 antrat und seitdem aus eigener Erfahrung weiß, welch mächtige Rolle die Medien im Leben einer öffentlichen Person spielen: "Medien sind Teil der Wirklichkeit unseres Lebens",sagte Jung und betonte: "Ohne jene, die Themen prägen, würde unsere Gesellschaft so nicht funktionieren."

In bitteren Stunden treu

Fußball, des Deutschen liebstes Hobby, ist ohne Frage auch dank der medialen Berichterstattung ein Massenphänomen, das für manche dem Glauben an Gott in nichts nachsteht: Ein Vereinswechsel sei für echte Fans wohl schwerer als eine religiöse Neuausrichtung, brach Jung eine Lanze für all jene Eintracht-Anhänger, die ihrem Club auch in bitteren Stunden die Treue hielten. Dieser öffentlich gelebte Fußball-Kult zwinge die Medien dazu, täglich den neuesten und spektakulärsten Schlagzeilen nachzujagen. Doch diese Hatz berge auch unübersehbare Schattenseiten: "Medien setzen Standards, sie bestimmen, wie wir über Dinge denken und was wir fühlen", so Jung. Zeitungen müssten das machen,um interessant zu sein.

Druck ist groß

Gleichwohl müsse darauf geachtet werden, ethische und moralische Standards nicht zu verletzen. Als positives Beispiel wies der Kirchenchef auf den Fall des Hannoveraner Ersatz-Torwarts Markus Miller hin. Nur knapp ein Jahr, nachdem sich der an Depressionen leidende Robert Enke das Leben genommen hatte, wurde auch bei Miller eine mentale Erschöpfung diagnostiziert. Nun habe der Verein vor dem Problem gestanden, der Öffentlichkeit klarzumachen, worum es geht, ohne dass sich die nationale Meinungs-Mach-Maschinerie auf den vom Sportler zum Patienten gewordenen Torwart stürzt. Den Wunsch nach Privatsphäre hätten die Reporter respektiert.

Doch das Gegenbeispiel des aus dem Amt geschriebenen Bundespräsidenten Christian Wulff verdeutliche, wie weit die Macht der Medien reiche, wenn sich ein Prominenter als allzu angreifbar und uneinsichtig erweise: "Es geht darum, dass Menschen in dieser Medienwelt nicht unter die Räder kommen", forderte Jung. Wulff habe zweifelsfrei Fehler gemacht. Nach christlichen Prinzipien sind auch Menschen, die versagen, Fehler machen und Schwächen zeigen, vor Gott nicht weniger wert als ein vom Boulevard zum strahlenden Gewinner stilisierter Polit-Promi.

"Was früher die Angst vor dem jüngsten Gericht war, ist heute für viele Amtsträger die Angst vor der Zeitungsredaktion", spitzte Jung den latenten Interessenkonflikt zwischen Kirche und vermeintlich schlagzeilengeilen Redakteuren zu. Gleichwohl gestand er ein, dass auch der Klerus nicht ohne Medienpräsenz auskomme. Ein löbliches und zugleich zum Nachdenken anregendes Beispiel für kirchliche Kompetenz im Umgang mit den Medien sei die einstige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, die trotz ihrer Popularität die Konsequenzen aus ihrer nächtlichen Alkohol-Fahrt zog und - für viele zu voreilig - ihren Posten räumte.

Gerade Jugend ist anfällig

Volker Jung gab zu bedenken, dass durch die digitalisierte Medienlandschaft viele Jugendliche dazu angestachelt würden, schon in jüngsten Jahren nach Ruhm und Prominenz zu streben.Erst kürzlich habe sich ein Gemeindemitglied bei ihm gemeldet und erklärt, dass ihr Sohn nicht am Konfirmationsunterricht teilnehmen könne, weil er in die Jugendmannschaft von Darmstadt98 aufgenommen wurde. "Das Training dem Konfirmationsunterricht vorzuziehen, finde ich schwierig.Denn das ist eine einmalige Zeit, die sich nicht nachholen lässt", sagte Jung. Wie groß der mediale Einfluss auf die eigene Person sein kann, erlebte der Kirchenchef am eigenen Leib: Ein auf der Online-Plattform "evangelisch.de" veröffentlichtes Interview habe dazu geführt, dass Jung aufgrund seiner Position zur Flüchtlings-Problematik massenweise Hass-E-Mails aus der rechtsradikalen Szene erhielt: "Da bekommt man Angst", appellierte ans Publikum, nicht jedem Medien-Hype aufzusitzen.

 

Studienkurs 2019
Sils 2014

Der 49. Studienkurs des Arbeitskreises Kirche und Sport findet vom  23.02.2019 bis 02.03.2019 statt. Der Kurs hat das Thema "Gut - besser - perfekt? Fragen und Antworten zur (Selbst-)Optimierung"


Copyright2019 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 16. Januar 2019 16:29