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Ein Schritt nach Europa

In der Ukraine läuft der Countdown für die Fußball-Europameisterschaft 2012

Kiew (epd). Die massiven Betonträger ragen in den Himmel von Kiew empor. Sie sollen bald das neue Dach des Olympiski-Stadions tragen. Auf der Großbaustelle mitten in der ukrainischen Hauptstadt wird mit Hochdruck am Umbau der Arena gearbeitet, die 65.000 Zuschauer fassen soll. Auch eine neue Haupttribüne ist im Bau. In dem Stadion wird am 1. Juli 2012 das Finale der 14. Fußball-Europameisterschaft stattfinden. Die Ukraine richtet das sportliche Großereignis zusammen mit dem Nachbarland Polen aus.

Während die europäischen Nationalteams die Qualifikationsspiele für die erste Fußball-EM in Osteuropa austragen, läuft der Countdown für die bisher größte Sportveranstaltung in der Geschichte beider Länder. Die vier ukrainischen Austragungsorte - neben der Hauptstadt Kiew das westukrainische Lwiw (Lemberg) und die Großstädte Charkow und Donezk im Osten des Landes - stellen sich auf Hunderttausende Besucher ein.

Die Vorbereitungen könnten zu einem Wettlauf mit der Zeit werden. Um den engen Zeitplan des europäischen Fußballverbandes UEFA einzuhalten, gründete die Ukraine nach einem eher schleppendem Start eine Nationale Agentur für die EM-Vorbereitung, die die Arbeiten vorantreiben soll. "Wir wollen der Welt zeigen, dass die beiden Länder in der Lage sind, ein solches Großereignis zu organisieren", sagt Managerin Natalja Pilipenko vom gemeinsamen Organisationskomitee der UEFA und des ukrainischen Fußballverbandes.

Nicht nur die Spielstätten müssen rechtzeitig fertig sein. Auch Straßen, Flughäfen und Infrastruktur müssen gebaut oder modernisiert werden. Außerdem fehlen noch ausreichende Hotelkapazitäten für die Fußballfans. Die Stadien in Donezk und Charkow sind bereits fertiggestellt, in Lwiw entsteht bis zum Sommer 2011 eine ganz neue Arena. Eine Herausforderung für die Planer sind auch die großen Entfernungen zwischen den Spielorten: Zwischen dem polnischen Danzig (Gdansk) und dem ostukrainischen Charkow liegen fast 2.000 Kilometer.

Mit der EM vom 8. Juni bis 1. Juli 2012 rückt die Ukraine ein bisschen näher an Europa heran. Rund eine halbe Million ausländischer Besucher werden zu den Spielen erwartet. Auf politischer Ebene kommt die Annäherung hingegen kaum voran. Die EU verhandelt mit der Regierung in Kiew über ein Assoziierungsabkommen. Aber eine Beitrittsperspektive hat die Union dem seit 1991 unabhängigen Land mit rund 46 Millionen Einwohnern bisher nicht eröffnet.

Noch immer trägt das osteuropäische Land politisch und wirtschaftlich schwer am sowjetischen Erbe. Die mit der "orangenen Revolution" von 2004 verbundenen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Seit Februar hat das Land mit Viktor Janukowitsch seinen vierten Präsidenten seit 1991, eine neue Regierung löste die orangenen Kräfte ab.

Der deutsche Botschafter Hans-Jürgen Heimsoeth hebt die Chancen des Machtwechsels hervor: "Das Land kann jetzt die politische und wirtschaftliche Stagnation überwinden." Trotz demokratischer Defizite sei die Ukraine keine "gelenkte Demokratie". Die Europameisterschaft werde ein Erfolg werden, wenn es gelinge, die Ukraine als weltoffenes, Europa zugewandtes Land zu präsentieren, sagt der deutsche Diplomat.

Die Erwartungen im Land sind groß. "Fußball ist hier der Sport Nummer eins", sagt der deutsche Experte Michael Hamalij, der die Kiewer Stadtverwaltung im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) bei der EM-Vorbereitung berät. Auch der GTZ-Experte Mathias Brandt sieht in der EM eine "einmalige Chance" für die Ukraine. Mehrere Milliarden Euro will die Regierung vor der EM investieren - eine gewaltige Kraftanstrengung für das von der Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelte Land. Die Gelder sollen durch Steuern und ausländische Investitionen wieder hereinkommen, hofft man in Kiew. Außerdem sollen mehr Touristen ins Land kommen.

Für Oleg Taradaj, den Teammanager der ukrainischen Nationalmannschaft, steht fest, dass die Ukrainer gute Gastgeber bei der EM sein werden. Zugleich räumt er ein: "Viele Ukrainer verstehen noch nicht, was die EM 2012 für das Land bedeutet." Und für viele seiner Landsleute werde der europäische Wettbewerb wohl eher Nebensache bleiben. Bei einem Durchschnittseinkommen von umgerechnet weniger als 200 Euro im Monat könnten sich viele die Eintrittskarten für die Spiele nicht leisten.

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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 16. Januar 2019 16:29