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Ökumenischer Gottesdienst vor dem DFB-Pokalfinale in Berlin

"Respekt (er)leben" lautete das Motto des Gottesdienstes

Erstmalig fand vor einem Pokalfinale des Deutschen Fußballbundes (DFB) ein ökumenischer Gottesdienst statt. Vor dem Spiel des FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart trafen sich am vergangenen Samstag (1.6.2013), Fußballanhänger, Vereins- und Verbandsvertreter und andere interessierte in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und erlebten einen ganz besonderen Gottesdienst.

"Respekt (er)leben" lautete das Motto des Gottesdienstes, was der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. h.c. Nikolaus Schneider, in seiner Predigt wie folgt beschrieb: "Respekt ist das Gegenteil von einem bedenkenlosen Egoismus. Respekt bindet das eigene Glück an die Wertschätzung der Mitmenschen." Das gelte auch für den sportlichen Wettstreit, denn, so Schneider weiter: "Eine respektvolle Lebenshaltung verbietet es nicht, siegen zu wollen, um den Sieg zu kämpfen und sich am Sieg zu erfreuen. Eine respektvolle Lebenshaltung verbietet es aber durchaus, Gegner bewusst zu verletzen, mit faulen Tricks die Regeln der Fairness auszuhebeln oder Schiedsrichter, Ordnungskräfte und Fans einer gegnerischen Mannschaft zu schmähen oder gar anzugreifen. Und solch unfaires Verhalten auch noch einzuüben oder dazu aufzustacheln, das geht gar nicht!"

"Jesus moralisiert nicht und macht kein schlechtes Gewissen", sagte Schneider bezogen auf den Predigttext (Mk 10, 35-45), sondern Jesus verändere durch Zutrauen. Seine Botschaft könne uns lösen vom "inneren Zwang zur Selbstüberhebung und rücksichtsloser Selbstbehauptung und mache uns frei vom "Siegen-Müssen" und "Nicht-Verlieren-Können". Das Vorbild Jesu, so Schneider abschließend, inspiriere und bewege zu einem neuen Verhalten, das durch "gegenseitigen Respekt" bestimmt und geprägt ist.

Weihbischof Jörg Michael Peters, Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), verwies in seiner Einführung mit Bezug auf Psalm 8 auf das Schöpfungshandeln Gottes, das jedem menschlichen Tun vorausgeht. Weil der Mensch Gottes Geschöpf ist, solidarisiert sich Gott mit ihm und nimmt an seinem Tun Anteil. Gott geht dabei sogar das Risiko ein, "selbst böse und heimtückisch gefoult zu werden" - so der katholische Sportbischof. Ein Besinnen auf dieses von Gott geschenkte "Ja", die Freude am Menschen und seinem Spiel, kann die Haltung des Danks gegenüber Gott und des Respekts gegenüber den Mitmenschen ermöglichen, betonte Weihbischof Peters.

Die Arbeitskreise Kirche und Sport der EKD und der DBK hatten diejenigen zur Mitwirkung an diesem Gottesdienst eingeladen, die aktiv zum Gelingen des DFB-Pokalfinales beitragen: DFB- und Vereinsvertreter, Schiedsrichter, Fans, Polizisten, Sanitäter und Volunteers folgten dieser Einladung. Thorsten Kinhöfer, DFB-Bundesligaschiedsrichter, las zunächst Psalm 8 bevor sein Kollege Peter Gagelmann feststellte, dass es einem Schiedsrichter während der Leitung eines Fußballspiels, nicht darum geht, 22 Personen nach der eigenen Pfeife tanzen zu lassen. "Wir werden immer dort einschreiten, wo Regeln umgesetzt werden müssen. Wir haben das respektvolle Miteinander im Blick und achten auf die Gesundheit aller Spieler. Die Regeln ermöglichen dies und führen zu einem fairen Wettkampf." Weiter räumte Gagelmann ein: "Wir wissen, dass wir dabei eventuell Fehler machen. Auch wir sind Menschen mit Stärken und Schwächen. Aber es ist immer unser Bestreben, unparteiisch und unvoreingenommen ein Spiel nach den Regeln des Fair Plays zu ermöglichen."

Auch DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch hatte seine Mitwirkung an diesem Gottesdienst gerne angeboten. Im Anschluss an die Lesung aus dem Korintherbrief, sagte er: "Am Anfang stand für den Deutschen Fußball-Bund die Idee, quer durch die Profi- und Amateurligen Fußballern die Chance zu geben, einmal ganz nach oben zu kommen. Und jeder weiß: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Beim Finale werden manchmal große Träume wahr - oder sie platzen. Damit es beim Charakter des fairen Spiels bleibt, sind Fairness und Respekt die beste Strategie: Die Leistung zu würdigen, die Schwächen zu ertragen und die Fehler zu verzeihen. Dann wird es richtig gut, und alle, Spieler, Fans und die Verantwortlichen, haben ihre Freude."

Brigitte Eggebrecht, Rebecca Holl, Markus Nagel und Marion Rösicke waren beim DFB-Pokalfinale als Volunteers im Einsatz und hatten ebenfalls eine Botschaft für die Gottesdienstbesucher: "Es ist eine tolle Erfahrung, bei so einem Spiel Volunteer zu sein. Wir haben zwar alle Hände voll zu tun, und manchmal ist es auch richtig stressig. Doch es macht einfach Spaß, Teil dieses Sportereignisses zu sein und Besuchern, Spielern und Medienvertretern einen spannenden Abend und ein unbeschwertes Arbeiten zu ermöglichen. Richtig schön ist es für uns, wenn die Stimmung gut ist, alles glatt läuft und vor allem alle friedfertig miteinander umgehen. Denn gerade nach dem Spiel kann es passieren, dass die Fans der siegreichen Mannschaft übermütig werden oder der Frust der Verlierer verdaut sein will."

Vereins- und Fanvertreter des FC Bayern München und des VfB Stuttgart reisten ebenfalls so rechtzeitig an, das sie im Gottesdienst mitwirken konnten. Darunter auch Annette Schwarz vom VfB Stuttgart: "Es ist ein Traum, in einem Finale spielen zu dürfen. Dafür haben die Spieler lange trainiert, hart gekämpft und ihre Körper fit gemacht. Und wir Fans haben sie stets unterstützt. Hoffentlich gelingt der Sieg - ohne den anderen zu verletzen oder selbst körperlich Schaden zu nehmen. Alle - Spieler wie Fans - müssen sich nach einem Spiel auch in die Augen sehen können. Dass dies den Siegern dann wohl leichter fallen wird als den Verlierern, ist unbestritten. Dann ist es trotz aller Enttäuschung aber anzuerkennen dass der andere auch sein Bestes gegeben und gut gespielt hat. Wut im Bauch ist ein schlechter Ratgeber. Wir wollen alle gesund bleiben mit unserem Körper und mit unserer Seele."

Die anschließenden Fürbitten, die die Schiedsrichter für die Spieler, die Volunteers für die Trainer, Therapeuten, Sanitäter und Betreuer, der Fanvertreter für die Polizisten, die Polizeivertreterin für die Fans und die Sanitäterin für die Volunteers und Schiedsrichter sprachen, mündeten in einen gemeinsamen Schulterschluss, den nicht nur die Mitwirkenden vor dem Altar, sondern den alle Gottesdienstbesucher gemeinsam vollzogen.

"Das war ein wunderschöner Gottesdienst.", bedankte sich Bernd Hofmann, Präsident des FC Bayern Fanclubs Nabburg/Oberpfalz anschließend bei den Verantwortlichen. "Den Respekt voreinander gemeinsam [er]leben und in dieser Form zu bezeugen war etwas ganz besonderes." Hofmann war mit über 50 Fans bereits um 4.30 Uhr in Nürnberg aufgebrochen, um rechtzeitig zum Gottesdienst in Berlin zu sein. Seit über 30 Jahren wirkt der fußballbegeisterte FCB-Fan ehrenamtlich bei Gottesdiensten in seiner Kirchengemeinde mit und wollte die Teilnahme an diesem besonderen Gottesdienst auf keinen Fall verpassen.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von Kirchenmusikdirektor Helmut Hoeft an der Orgel. Das besondere musikalische Highlight waren zudem Samuel Jersak und Mitch Schlüter, die mit Klavier, Gitarre und Gesang die Gottesdienstbesucher immer wieder begeisterten.

So verließen die etwa 400 Besucher den Gottesdient gut eingestimmt auf ein Pokalendspiel, welches später tatsächlich von gegenseitigem Respekt und gutem Fußball bestimmt war. Das die Spieler des VfB Stuttgart nach dem verlorenen Finale trotz aller Enttäuschung bis zum Ende der Siegerehrung im Stadion blieben, mag zum einen an der unbeschreiblichen Stimmung liegen, die bei einem Pokalfinale im Berliner Olympiastadion herrscht. Ganz sicher zeugt dies aber auch von dem Respekt, den sie damit den Siegern aus München entgegen brachten. Und so soll es ja schließlich sein!

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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:35