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Jenseits des Sports

Universiade-Pfarrer Weber wird in Südkorea mit dabei sein

Wenn man ihn nach der Sommer-Universiade fragt, bekommt Thomas Weber glänzende Augen. Der evangelische Pfarrer ist seit 2003 fester Bestandteil der Deutschen Studierenden-Nationalmannschaft. Als absolutes Alleinstellungsmerkmal beschreibt der Geistliche, der auch bereits fünfmal bei Olympischen Spielen war, den kulturellen Austausch, der jenseits des Hochleistungssports stattfindet.

"Ich finde es interessant, wie schnell ich bei gemeinsamen Mahlzeiten und beim Vor-Ort-Sein mit den studierenden Spitzensportlerinnen und -sportlern über den christlichen Glauben, Bibel und Kirche ins Gespräch komme", beschreibt Thomas Weber einen Teil seiner Tätigkeiten während der Weltspiele der Studierenden. Durch sein "Exoten-Dasein" im Team gebe es eine große Neugier und zahlreiche Fragen, die schnell zu intensiven Gesprächen führten, so Weber. Sicherlich begünstigt wird dies durch die "besondere Atmosphäre" dieser Veranstaltung. "Da die Universiade anders als Olympische Spiele nicht so stark im Interesse der Öffentlichkeit verankert ist, lastet auf den Aktiven ein anderer Erwartungsdruck. Ohne dass die sportlichen Ambitionen verloren gehen, ist die Atmosphäre im Universiade-Dorf etwas lockerer als bei Olympischen Spielen", vergleicht der Geistliche. So komme es zu "ganz anderen Gesprächen miteinander - eben auch über Themen jenseits des Sportes".

Einen besonderen Raum zum Austausch bildet dabei auch das religiöse Zentrum im Aktivendorf: "Jedes Mal lerne ich dort neue Personen kennen, knüpfe Kontakte und treffe bereits Bekannte wieder", erzählt das Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Kirche und Sport der evangelischen Kirche (EKD). Hier wird Thomas Weber nicht nur Gottesdienste in deutscher Sprache, sondern auch Raum zur Ruhe anbieten: "So können sich die Aktiven auch einmal aus dem Wettkampfgeschehen herausziehen und sich auf sich selbst konzentrieren." Wer mit Weber über das religiöse Zentrum als gemeinsamen Ort über alle Konfessionen und Religionen hinweg redet, kann die eindringlichen Erfahrungen, die der Gemeindepfarrer von Gevelsberg bislang dort gemacht hat, erahnen. "Ich nehme immer enorm viel von einer Universiade mit. 2011 in China berichteten mir beispielsweise Vertreter einer einheimischen Gemeinde, wie die Zahl der chinesischen Christen explodiert. An einem Sonntag habe ich dann den Gottesdienst dort in Shenzhen besucht. Das war für mich unglaublich motivierend", so Weber.

Neben seiner geistlichen Tätigkeit wird der passionierte Sportler als Teammitglied auch das deutsche Organisationsteam vor Ort unterstützen: "Es ist immer wieder spannend, aus kürzester Distanz dabei zu sein, wenn ein Bruchteil einer Sekunde über Erfolg oder Misserfolg entscheidet." Doch als Theologe weiß er, dass das nicht alles ist, was bei den Weltspielen der Studierenden zählt. Zum einen ist die Veranstaltung eine wunderbare Möglichkeit für junge Athletinnen und Athleten ein Multisportevent kennenzulernen: "Die Universiade ist eine besondere Erfahrung für die Zukunft, bei der die Studierenden alle Abläufe für Olympische Spiele bereits eins zu eins proben können." Zum anderen verdeutlicht Thomas Weber, dass nicht der Erfolg um jeden Preis zähle: "Behandle andere so, wie Du selbst auch behandelt werden möchtest - dies ist ein guter Leitsatz aus dem Munde Jesu, an den ich immer wieder erinnere. Der Erfolg um jeden Preis und wer Vierter ist, der ist erster Verlierer, das sollte nicht im Vordergrund stehen - hierfür kann der christliche Glauben eine gute Richtlinie sein."

Dass von der einen auf die andere Sekunde mehr zählen kann, als nur eine gute Platzierung oder die eigene Bestleistung, das weiß Thomas Weber auch aus eigener Universiade-Erfahrung. Während der Sommer-Universiade 2007 in Bangkok erhielt ein Sportler zusammen mit seiner Schwägerin die Todesnachricht des Vaters aus der Heimat. "Der Hochleistungssport ist auch eine Gemeinde auf Zeit - mit all den Höhen und Tiefen, die dazu gehören", weiß der Universiade-Pfarrer. Sozusagen als Notfallseelsorger blieb Weber über Nacht bei den Trauernden am Flughafen, um sie am nächsten Morgen Richtung Heimat zu verabschieden: "Später habe ich den Sportler noch einmal bei den Olympischen Spielen wiedergetroffen". So verbindet ihn und einige Mehrfach-Universiade-Startende eine gemeinsame Geschichte. Andere trifft Weber zum ersten Mal.

Bleibt abzuwarten, was für Erfahrungen die Universiade in Südkorea für den 55-Jährigen bereithält. Zumindest auf einen Höhepunkt freut sich Weber schon jetzt: Wenn am 03. Juli in Gwangju die FISU-Hymne ertönt und das größte Multisportevent hinter den Olympischen Spielen zum elftägigen Sport- und Kulturfest lädt. "Die freundliche und aufgelockerte Stimmung bei den Eröffnungs- und Schlussfeiern und die strahlenden Gesichter der Aktiven haben mich immer sehr berührt - das wird in Südkorea sicherlich nicht anders werden", schwärmt Thomas Weber und bekommt es wieder - das Glänzen in den Augen.

Quelle: adh.de

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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:34