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Lobe den Herren - der christliche Daumen hoch!

Eindrücke nach einer Woche Paralympics in Rio de Janeiro

Kirche und Sport

"Daumen hoch!" Meine Einweisung habe ich schon am Flughafen erhalten: "Daumen hoch, bitte nicht vergessen!" Die vielen Volunteers, die Athleten und Funktionäre, der Taxi-Fahrer und die Menschen auf der Straße. Daumen hoch, überall hier in Rio! Dabei meist ein freundliches Lächeln im Gesicht. Daumen hoch - das ist offensichtlich die Zeichensprache, die hier jeder versteht. Eine Geste, die Sprachbarrieren überwindet, Nähe schafft zwischen Völkern und Nationen, Kulturen und Religionen.

Daumen hoch auch für alle sportlichen Leistungen der ersten Woche, ganz unabhängig aller Medaillien. Die 155 Sportlerinnen und Sportler des Deutschen Teams präsentieren sich als Team, die Stimmung ist gut, alle freuen sich über bessere Bedingungen als erwartet. Was mich freut ist der weite Horizont, die viele der Sportpersönlichkeiten zeigen - "Was sind denn wackelnde Toilettendeckel gegen die Armut in diesem Land?"

Viele Hoffnungen auf Gold, Silber oder Bronze haben sich erfüllt, Siege wurden ausgelassen gefeiert, auf dem Siegerpodest gab es die ein oder andere Freudenträne. Leider hat es nicht für alle gereicht, Träume scheiterten bereits im Vorlauf oder denkbar knapp bei der Niederlage beim Spiel um Platz 3.

"Lobe den Herren, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft!" - Dieses Wort aus Psalm 103 war die RIO-SMS, dem täglichen morgendlichen Impuls von uns Paralympics-Pfarrern und auch Leitwort für den Gottesdienst im Deutschen Haus Paralympics. "Lobe den Herrn" - das ist das christliche Daumen hoch, zu dem der Beter auffordert. "Danke. Bei meinen Wettkämpfen begleitet mich genau dieser Psalm!", so ein Gottesdienstteilnehmer. Ein anderer fügte hinzu: "Daumen hoch, das war gut, innezuhalten und ein bisschen aufzutanken."

Dennoch: Der Aufruf zum Lob Gottes in diesem Land ist doch eine besondere Herausforderung. Die Probleme in Politik und Gesellschaft etwas abseits der Wettkampfstätten und des paralympischen Dorfes ist unübersehbar, die Buhrufe im Stadion bei der Eröffnung Ausdruck von Ärger und Zorn der Bevölkerung unüberhörbar. Was mich besonders nachdenklich stimmt ist die Tatsache, dass Menschen mit Behinderungen hier keinen Platz in der Gesellschaft haben. Es ist zu befürchten, dass das auch nach den Paralympics so bleibt. "Wie es hier nach den Spielen weitergeht wissen wir nicht"", so sagt es mein katholischer Kollege. Brasilien steht vor einer ganz großen Herausforderung. Eines verlieren die Menschen aber nicht, so mein Kollege. Das Lachen und ihren Glauben. Die Stadt unterhalb des Christo stimmt ein in das christliche Daumen hoch: Lobe den Herren!

Christian Bode

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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:34