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Interview mit Kirchenpräsident Dr. Volker Jung über Kirche und Sport

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Dr. Volker Jung ist der neue "Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland". Der Rat der EKD hat ihn im Juni 2016 dazu berufen.
Mit ihm sprach Reinhard Ellsel.

Herr Dr. Jung, als Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau tragen Sie viel Verantwortung und haben ziemlich viel zu tun. Warum haben Sie sich nun auch noch für diese ehrenamtliche Aufgabe des "Sportbeauftragten" zur Verfügung gestellt?

Ich habe dies gern als Aufgabe übernommen, weil mir persönlich der Sport viel bedeutet und ich diese Verbindung von Kirche und Sport auch für eine ausgesprochen wichtige Verbindung halte. Kirche und Sport sind nach wie vor zwei gesellschaftlich sehr bedeutende Kräfte und es lohnt sich, in einem guten Gespräch miteinander zu sein.

Welche Themen ergeben sich, wenn Kirche und Sport zusammen arbeiten?

Sehr praktisch haben Kirchengemeinden und Sportvereine oft mit den gleichen Dingen zu tun. Ich fand es zum Beispiel sehr bemerkenswert, dass es da auch Kooperationen in der Flüchtlingsarbeit gegeben hat und gibt. Sportvereine haben schnell verstanden, dass sie eine ganze Menge für Integration tun, und Kirchengemeinden haben Ihren Teil dazu beigetragen. Das ist dann auch eine gute, gemeinsame Basis dafür, dagegen vorzugehen, wenn Rassismus in der Gesellschaft um sich greift.
Für mich ergeben sich aber auch noch eine Fülle an Themen für die Organisation des Sports und der Kirche. Wir sind immer wieder herausgefordert, uns als Organisationen glaubwürdig zu verhalten und glaubwürdig in dieser Gesellschaft zu agieren. Das ist bei großen Organisationen, wie sie Verbände und Kirchen nun einmal sind, manchmal nicht einfach. Eine andauernde Selbstreflexion und Selbstkritik ist nötig.
Zurzeit haben die großen Sportverbände haben eine Riesen-Aufgabe: der Deutsche Fußballbund, aber auch das Internationale Olympische Komitee, die FIFA. Dort geht es um unglaublich viel Geld. Und hier eine gute Linie zu finden, dass man sich nicht verkauft, dass man die Seele nicht verkauft. Meines Erachtens kann da auch der Kontakt zwischen Kirche und Sport auf der Ebene der Verbände helfen, sich zumindest die Fragen bewusst zu machen.

Treiben Sie auch selber Sport?

Ich habe in jungen Jahren Fußball gespielt und Leichtathletik gemacht und hab dann auch mal eine E-Jugend-Mannschaft im Fußball trainiert. Immer wieder bin ich im Winter Skifahren gewesen. Heute fahre ich immer noch gerne Ski, Fußball spiele ich aber nicht mehr. Aus der Leichtathletik kommt noch das große Interesse für's Laufen. Ich bin schon einige Male Marathon gelaufen und versuche, weiter in Bewegung zu bleiben. Auch aus der Überzeugung heraus, das mir das selber gut tut. Und weil es einfach auch zum Menschsein selber dazu gehört: Den Körper, die Leiblichkeit nicht gering zu schätzen, sondern auch das, was man dort an Gaben und Begabungen mitbekommen hat, zu pflegen.

Sie haben also nicht nur von der Kirche, sondern auch von Sportvereinen gelernt und profitiert?

Klar habe ich dem Sport viel zu verdanken. Die Trainer, die ich hatte im Fußball oder in der Leichtathletik, das waren für mich immer ganz wichtige Personen. Man lernt im Sport eine ganze Menge, im Miteinander, im sozialen Verhalten. Man lernt aber auch, mit Erfolgen und Niederlagen umzugehen: Bei Erfolgen, dass man nicht überschnappt - die katapultieren einen nicht in den Himmel. Und dass man auch bei Niederlagen nicht in Depression versinkt. Die Niederlagen reißen uns nicht in die Hölle. Das muss man auch im ganz normalen Leben versuchen, für sich klar zu bekommen. Und ich glaube, dass man im Sport da eine ganze Menge lernen kann.

Kann man von Sport nicht auch lernen, dass man immer auch Teil einer Mannschaft ist?

Klar! Es gibt natürlich unterschiedliche Sportarten: Es gibt den Einzelsport und es gibt die Mannschaftssportarten. Ich selbst bin von der Grundüberzeugung her auch immer gern Mannschaftssportler gewesen. In einer Mannschaft zu sein, heißt immer: Du kannst allein nichts erreichen. Die Mannschaft muss funktionieren. Man muss sich in einer Mannschaft unterordnen können. Man muss in einem Team auch - wenn einem die Kraft und die Gabe gegeben ist - mal Führungsaufgaben übernehmen können. So kann man im Sport ganz gut für sich selber entdecken, wo man seine eigenen Fähigkeiten und Begabungen hat. Das lässt sich in einem guten Sinn in andere Bereiche des Lebens übertragen.

Sie sind seit 2009 Kirchenpräsident in Hessen und Nassau. Ein Häuptling ist nichts wert ohne seine Indianer ...

Ich persönlich versuche immer, mit Menschen viel zusammen zu arbeiten. Auch in Leitungsaufgaben. Und ich glaube, man kann heute große Organisationen, und Kirchen besonders, nicht einfach autoritär leiten. Und ich bin auch der Grundüberzeugung, dass gemeinsames Leiten, im Team, mehr Akzeptanz hervorbringt als Sologänge.

Ganz anders gestrickt war Martin Niemöller (1892-1984), einer Ihrer Vorgänger im Amt des Kirchenpräsidenten.

Naja, Niemöller war im 1. Weltkrieg U-Boot-Kommandant. Er war natürlich jemand, der in hierarchischen Führungsstrukturen gedacht und gelebt hat. Er war mit Sicherheit eine Person, die mit einer großen persönlichen Autorität gearbeitet hat. Aber Niemöller hat in unserer Kirchenfassung großen Wert darauf gelegt, dass Leitungsstrukturen Menschen zusammenführen. So hat er immer von einem gemeinsamen bischöflichen Leitungsamt gesprochen, keinem einzelnen Oberhaupt.
Die Strukturen in unserer Kirche sind einfach so, dass man aufeinander hören muss und aufeinander angewiesen ist, um miteinander Kirche zu gestalten. Es ist eine ganz, ganz wichtige Aufgabe, auch Hauptamtliche und Ehrenamtliche so zusammen zu bringen, dass Ehrenamtliche nicht einfach nur genutzt werden, sondern in Leitungsverantwortung mit hineingenommen werden.

So haben Sie das im Fußball kennengelernt. Bei welchem Verein haben Sie da gespielt?

Ich habe in dem Verein meines Heimatortes gespielt, in Schlitz. Das ist ein kleines Städtchen im Hessischen. Da habe ich wirklich in den Schülermannschaften, in der Jugend und dann in der 1. Mannschaft gespielt. Ich bin übrigens heute noch Mitglied in diesem Verein und in zwei weiteren kleinen Sportvereinen.

Seit November 2015 sind Sie auch im Rat der EKD, der höchsten Leitungsebene der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland ist in der momentanen Zusammensetzung ein gutes Team. Da sind viele starke Persönlichkeiten vertreten, die aber alle auch wissen, wie man miteinander arbeitet. Mir macht gerade die Mitarbeit im Rat große Freude, weil da eben gute Leute zusammen sind, die sich als eine Mannschaft verstehen.

Studienkurs 2019
Sils 2014

Der 49. Studienkurs des Arbeitskreises Kirche und Sport findet vom  23.02.2019 bis 02.03.2019 statt. Der Kurs hat das Thema "Gut - besser - perfekt? Fragen und Antworten zur (Selbst-)Optimierung"


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:34