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Die Stadionkapelle im Berliner Olympiastadion

aus: "So funktioniert ein Heimspiel" (erschienen in der Stadionzeitung von Hertha BSC)

In unserer Serie "So funktioniert ein Heimspiel" möchten wir euch die verschiedenen Abläufe näher bringen, die während einer Partie im Olympiastadion von HERTHA BSC realisiert werden. Im fünften Teil der Serie zeigen wir euch, was an Heimspieltagen in der Stadionkapelle passiert.

In einem schwarzen Anzug mit weißem Hemd, Stehkragen und der Lutherweste darüber macht sich Stadionpfarrer Dr. Bernhard Felmberg um 12.30 Uhr, also exakt drei Stunden vor Anpfiff dar Partie, aus Wilmersdorf auf den Weg ins Stadion.

Kurz nach 13 Uhr betritt er selbiges über die Tiefgarage Süd. Seine große Tasche ist gefüllt mit Talar und Liederblättern sowie mit den Abläufen für die Andacht. Bis er in der Kapelle auf Ebene -4 ankommt, trifft er viele Menschen, mit denen er kurz ins Gespräch kommt und sich austauscht.

Um 13.30 Uhr betritt er die Kapelle. Anja, eine ehemalige Konfirmandin, steht ihm vor Ort unterstützend zur Seite. Schon vor seinem Eintreffen hat sie das Licht angemacht, die Kerzen aufgestellt, das Antependium und die Bibel auf den Altar gelegt, das Gästebuch aufgeschlagen und die Orgel angeschaltet. Sie positioniert zudem die Gesangbücher und trägt die Papphocker in die Kapelle. Letzteres wird notwendig, wenn sich Gruppen angemeldet haben und mehr als 54 Besucher erwartet werden.

Ab 13.45 Uhr kommen immer wieder vereinzelt Menschen in die Kapelle. Manche beten, andere sind neugierig und andere kommen in kleinen Gruppen und wollen sich einfach einen Eindruck vom stadioninternen Gotteshaus verschaffen. Kurz darauf treffen der katholische Kollege Rüdiger Brunner, Gregor und der Organist Florian ein.

Um 14.00 Uhr ist die Kapellencrew schließlich vollständig und bespricht noch einmal die genauen Abläufe. Daraufhin zieht sich Dr. Felmberg seinen Talar an, bindet sein Beffchen und hängt sein Amtskreuz um.

Um 14.15 Uhr werden die Gottesdienstbesucher vom Eingang C abgeholt und zur Kapelle geführt. Knapp zehn Minuten später werden die Glocken über ein Band in Gang gesetzt. Das Geläut der Kaiser-Wihelm-Gedächtnis-Kirche läutet die Andacht ein. Die Kapelle ist mittlerweile gut gefüllt, nur vereinzelte Besucher huschen jetzt noch durch die Tür und auf ihre Plätze.

Um halb drei beginnt die Andacht. Katholische und evangelische Christen sowie alle, die den Worten der Geistlichen lauschen wollen, absolvieren die Zeremonie gemeinsam. Deren zentrale Bestandteile stellen gemeinsame Lieder bzw. Gebete und sportaffine Predigten dar. Um den Ansprüchen der Anhänger beider christlicher Lehren gerecht zu werden, wechseln sich Dr. Bernhard Felmberg und sein katholischer Kollege Rüdiger Brunner in diesen Aufgaben ab.

Um 15 Uhr erklingt der letzte Orgelton, woraufhin die Gemeinde die Kapelle verlässt. Die Pfarrer verabschieden alle Besucher persönlich per Händedruck am Ausgang und wünschen ihnen ein gutes Spiel. Jetzt ist es ruhig in der Kapelle. Sicherheitsleute, Angestellte von Hertha BSC, Sanitäter und andere kommen, um die Stille zu genießen und in sich zu kehren.

Kurz vor Spielbeginn geht es in den Bereich zwischen Sportlertreppe und Spieleraufstellraum. Die Pfarrer geben den Spielern ihrer Mannschaft die Hand und wünschen ihnen Gottes Segen für die Partie, was besonders bei den südamerikanischen Profis auf viel Gegenliebe stößt. Im Anschluss daran, suchen die Geistlichen ihre Sitzplätze auf, um das Geschehen auf dem Rasen zu verfolgen.

Um 17.15 Uhr hat Anja die Kapelle wieder geöffnet und wartet gemeinsam mit den Pfarrern auf die Spieler. Nachdem diese sich der Presse gestellt und in der Kabine umgezogen haben, kommen einige von ihnen gegen 18 Uhr in die Kapelle, um sich mit den Geistlichen auszutauschen und gemeinsam das Vaterunser zu beten.

Im Anschluss daran wird die Kapelle gegen 18.45 Uhr geschlossen. Felmberg und Brunner nehmen ihre Sachen, verabschieden sich von den Sicherheitskräften und begeben sich in die verschiedenen Bereiche des Atriums, wo sie sich den Fragen einiger Fans stellen und den Spieltag Revue passieren lassen.

Bibelarbeiten


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 22. November 2018 15:35